Über die Serie:
In der Serie „Von uns Menschen“ richtet Veronika Spleiss den Blick auf eine grundlegende menschliche Erfahrung: Wir sind Einzelne, können aber niemals vollständig losgelöst von den anderen existieren. Wir leben in Beziehungen, Familien, Gruppen und Gesellschaften, nehmen darin bestimmte Plätze ein und wirken durch unser Verhalten fortwährend auf das Ganze ein. Zugleich prägen die Ordnungen, die wir gemeinsam erschaffen, unsere Möglichkeiten, Entscheidungen und Sichtweisen. Die Figuren erscheinen deshalb nicht als isolierte Porträts, sondern als Teil eines dichten Gefüges. Sie ähneln einander in ihren Grundformen und bleiben dennoch durch Größe, Farbe und Position verschieden. Manche treten deutlich hervor, andere verschwinden beinahe unter den Vielen. Die geometrischen Formen stehen für die von Menschen geschaffenen Ordnungen, in denen sich unser Zusammenleben vollzieht. Sie können Halt geben und Verbindung ermöglichen, aber ebenso abgrenzen, einordnen oder einengen. Der Titel „Von uns Menschen“ ist bewusst einschließend gewählt. Die Bilder erzählen nicht von einer fremden, von außen betrachteten Menge, sondern von Erfahrungen, an denen wir alle beteiligt sind: von Nähe und Distanz, Zugehörigkeit und Vereinzelung, Gemeinschaft und Selbstbehauptung. In der Narratio Graphica wird dieses Verhältnis nicht durch eine einzelne Handlung erzählt, sondern dadurch, wie Figuren innerhalb der geometrischen Ordnung hervortreten, in der Menge verschwinden, einander gegenüberstehen oder zu Gruppen zusammenfinden. Die Serie handelt damit von der widersprüchlichen Aufgabe, als Einzelne unter Vielen zu leben und dennoch Teil eines gemeinsamen Wir zu sein.
