Über die Serie:
In der Lebensreihe macht Veronika Spleiss die Wucht und Gleichzeitigkeit des Lebens sichtbar. In einem einzigen Bildraum ereignen sich zahlreiche Handlungen, Begegnungen und Veränderungen zugleich. Figuren treten hervor, Wege kreuzen sich, einzelne Szenen stehen nebeneinander und bilden gemeinsam ein dichtes Geflecht. Keine Handlung bildet die alleinige Hauptgeschichte; das Leben erscheint als ein Nebeneinander unzähliger Perspektiven und Geschichten.Darin folgt die Serie Friedrich Nietzsches Gedanken, dass das Perspektivische die „ Grundbedingung allen Lebens“ sei (JGB, KSA 5, S. 12). Der Mensch bleibt an seinen eigenen Standpunkt gebunden und nimmt nur einen begrenzten Ausschnitt der Wirklichkeit wahr. Die Gemälde versuchen, diese Einschränkung für einen Moment aufzubrechen, indem sie verschiedene Sichtweisen und Geschehnisse gleichzeitig auf einer Bildfläche zusammenführen. Was zunächst wie ein chaotischer Überfluss erscheint, entfaltet erst im längeren Betrachten seine Ordnung. In der von Veronika Spleiss begründeten Narratio Graphica entsteht die Erzählung durch das Entdecken und Verknüpfen einzelner Figuren, Formen und Handlungen. Mit jedem neu wahrgenommenen Detail verändert sich der Zusammenhang des bereits Gesehenen. So wandelt sich nicht nur die Perspektive des Betrachtenden, sondern auch das Bild selbst: Es erzählt bei jedem Blick weiter, während sein Ganzes sich niemals vollständig erfassen lässt.
